Und, was machen Sie so?

 

Menschen treffen sich bei Seminaren, auf Tagungen, auf Kongressen, auf Parties, lernen sich neu kennen. Man findet sich symphatisch und ist schnell beim smalltalk. Und dann kommt sie, die eine Frage:

 

Und, was machen Sie so?

 

Damit beginnt schon das Dilemma. Alle, deren Berufsbezeichnung nicht gerade Bäcker, Mauer, Friseurin oder Kinderärztin ist, haben oft ein Problem damit, anderen Menschen einfach und anschaulich verständlich zu machen, womit sie ihre Brötchen verdienen. Neue Berufsbezeichnungen sind oftmals etwas kryptisch. Oder kannst du auf Anhieb sagen, was ein Changemanager wohl tut? So in einem Satz? Ohne einen Vortrag zu halten?

 

Findige Menschen haben dafür den sogenannten Elevator pitch erfunden.  Der Elevator pitch ist eine Zusammenfassung, die in einem Satz erklären soll, was man beruflich macht und den Zuhörer neugierig auf mehr machen soll. Der mag bei Bankgesprächen ganz nützlich sein. Leider klappt das eher nicht bei normaler zwischenmenschlicher Kommunikation. Zumal er irgendwie falsch verstanden wurde und alle es nun nachplappern oder sogar weitergeben wie es angeblich zu sein hat. Mit dem Ergebnis, dass geschraubte Endlossätze entstehen, die man auswendig lernt, im Ernstfall runterrasselt oder sowieso wieder vergessen hat. Aber, wie gehts denn nun?

 

Dazu das folgende Beispiel aus meinem Leben.

 

Bis vor kurzem war ich noch  der Meinung, ich hätte es ganz klar, was ich beruflich mache. Dann war da dieses zwanglose Treffen und die nette Architektin erzählte von sich und ihrer Arbeit. Bunte Bilder von Häusern entstanden dazu in meinem Kopf. Und dann fragte sie mich.

 

" ...und, was machen Sie so beruflich?"

 

Ich merkte wie mir heiss wurde und sich in meinem Kopf Sätze, Elevator pitches,  zu formieren begannen, die alle gleich wieder verworfen wurden, weil ich die Reaktion darauf schon kenne.

Sätze wie:

 

"Ich arbeite energetisch."

Ach interessant, Sie arbeiten in einem technischen Beruf? Nö.

 

"Ich mache Energetische Unternehmensberatung."

Achso, sie beraten Unternehmen zum Stromverbrauch. Auch nicht.

 

Oje, also noch ein Versuch.

 

"Ich berate und unterstütze soloselbständige Frauen, deren Business nicht so recht läuft oder das besser laufen sollte."

Aha, Schweigen. Also, Sie machen Bilanzen und stellen Businesspläne auf und so?

 

Wieder daneben.

 

"Ich arbeite mit den UnternehmerInnen auf der energetischen Ebene und löse dort Blockaden und Widerstände auf, die ihnen den Erfolg so schwer machen"

Aha, das ist was E s o t e r i s c h e s, nicht wahr?

 

Stöööhn, nein.

 

 

Den fragenden Blick meiner Gesprächspartnerin vor Augen, zog sich mein Schweigen ein wenig hin und wurde schon irgendwie peinlich. Ich hätte auch sagen können:

 

"Ich berate selbständige Frauen, die vorwärts kommen möchten und arbeite dabei mit energetischem innovativem Werkzeug. Das geht sehr schnell und ist hocheffektiv."

 

Ich sah schon den mir bekannten glasigen Blick meiner Gesprächspartnerin vor meinem geistigen Auge. Ausserdem ist es ja auch nur die Hälfte der Wahrheit. Die andere Hälfte ist meine Arbeit in allen Lebensbereichen um Verwicklungen und Blockaden aufzulösen. Berufliches lässt sich nicht von Persönlichkeit trennen. Klar, ich könnte auch einfach sagen, dass ich Coach bin. Aber das ist heutzutage so dermaßen überstrapaziert und wirklich etwas vorstellen kann sich auch niemand etwas darunter. Das alles geht mir sekundenschnell durch den Kopf. Also haue ich den Elevator pitch und alle seine Varianten spontan in die Tonne.

 

Ich hole ich tief Luft und fange ganz anders an.

 

"Sie kennen doch bestimmt auch Jemanden der selbstständig ist, ganz klug, engagiert und mit Herzblut dabei ist . Jemand, der sehr fleissig ist und trotzdem einfach nicht auf einen grünen Zweig kommt?"

 

Mein Gegenüber nickt und sieht neugierig aus.

 

"Also, sage ich. Ich bin sozusagen eine Impulsgeberin, eine Knotenauflöserin dafür, damit es besser läuft. Ich bin damit eine Unternehmensberaterin der innovativen Art.

Ich finde die Antworten auf die Frage  "Warum läuft es nicht?

 

Ach, sagt sie. Und, wie machen Sie das?

 

Ich suche und finde die Ursachen dafür auf der unbewussten  Ebene. Dort sind nämlich meist die Boykotteure, die man nicht sehen kann, die aber sehr wirkungsvoll dafür sorgen, dass es klemmt. Betriebswirtschaftliche Zahlen sind für mich uninteressant"

 

Mein Gegenüber ist nun wirklich interessiert und will mehr wissen. Ich erkläre an einem konkreten Beispiel wie das aussehen kann und schon sind wir mitten im Gespräch - ganz einfach. Ich staune.

 

Aber das Berufliche ist nur die Hälfte, die andere Hälfte ist das Arbeiten an privaten Themen. Dazu erkläre ich ihr, dass ich auch alle anderen Verwicklungen und Störungen so bearbeiten kann. Beziehungsprobleme, Geldsorgen, gesundheitliche und Selbstwertthemen.

 

Sie schaut ein wenig skeptisch, aber das kenne ich ja schon...

Aber, ich habe ihr ganz einfach ohne "pitch" erklärt, was ich mache und damit konnte sie etwas anfangen. Und nur darauf kommt es an.

 


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