Alles irgendwie zu viel - meine FaceBook Diät

Geht es dir auch manchmal so?

Ich bin ja viel auf den sozialen Netzwerken unterwegs. Besonders in Facebook, hier FB genannt,  lese ich viel mit und nutze es auch für mein Marketing.

Und dabei habe festgestellt, dass ich mich mit FB zunehmend unter Druck setze.

 

 Foto Steldinger

Erste Suchtanzeichen

 

Ich hätte das nie für möglich gehalten, aber ich stelle fest, dass ich mich in den FB Sog ziehen lasse und aufpassen muss, dass ich in den unendlichen Informationsweiten versacke. Wie das konkret aussieht?

 

Wenn man morgens noch vor dem Zähneputzen als erstes schnell auf FB guckt, ist das noch normal? Es hat eine Weile gedauert bis mir das selbst aufgefallen ist. Dafür beunruhigt es mich aber umso mehr weil es schon wie automatisiert passiert.

 

Ein ähnliches Phänomen gibt es für viele Menschen beim Fernsehen. Bei ihnen funktioniert das Ausschalten irgendwie nicht mehr. Komischerweise finde ich den Ausknopf beim Fernsehen immernoch. Ich weiß, dass den auch viele nicht mehr finden und sich wie in Trance sinnlos durch die Kanäle zappen, auf der Suche wonach? Das lässt mich kalt, ganz im Gegensatz zu FB. Wahrscheinlich weil das TV Programm meist so ein Schrott ist.

Aber zurück zu Facebook. Was ist es, das mich und so viele Menschen in seinen Bann zieht? Das Medium hat eine ganz eigene Faszination, die viele Menschen die Schattenseiten, die es auch hat, verdrängen lässt.

 

Meine Gruppe

 

Da wäre schon mal die Illusion der Gruppe. Menschen lieben es, in einer Gruppe zu sein, dazuzugehören ist wichtig. Du bist in einer Gruppe von scheinbar Gleichgesinnten. Das fühlt sich gut an. Foto Pixabay

 

Du schreibst etwas, bekommst schnell Antwort darauf und hast das Gefühl, dazu zugehören. Menschen lieben das. Menschen brauchen das. Nur, dass es sehr oft nicht real ist. Eine Illusion. In den meisten Fällen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

In manchen Gruppen allerdings, meistens in thematisch geschlossenen, gibt es zeitweilig wirklich Menschen, die echten Anteil aneinander nehmen. Wo sich gemeinsam gefreut wird über Erfolge oder auch mal getröstet wird wenn´s eng wird. Das ist dann fast wie im richtigen Leben. Und aus diesen Gruppen kennen sich dann über kurz oder lang meist auch Einige persönlich.

 

Ich kann mitreden

 

Wer wenig Außenkontakt hat weil er auf dem Land wohnt oder aus anderen Gründen, für den ist es ein Geschenk, über FB mitten im Leben zu sein. Wenn es denn so ist. Sind Facebookfreunde wirkliche Freunde? Der Begriff ist schlau gewählt. Wer sonst keine Freunde hat, findet hier vielleicht welche. Manchmal werden sogar echte, reale Freunde daraus. Aber das ist wohl wieder eher die  Ausnahme.

 

Wenn ich in fachlichen Gruppen mitrede, kann ich mich dort profilieren. Das nervt andere manchmal ganz schön. Da heißt es Feingefühl zu haben. Manchmal bekommt man in diesen Gruppen ganz schnell fachliche Hilfe, die Hand und Fuß hat. Es sind viele echte Experten dort unterwegs. Besonders in solchen Gruppen, die mit Pflanzen, Technik, Computer, alternativer Medizin, Garten und Haustieren zu tun haben, beobachte ich das. Bei Coaches und Therapeuten habe ich das bisher weniger gesehen.

Da greift das Konkurrenzdenken oft wieder. Ich kenne nur eine Coachgruppe, die anders ist.

Ganz ausgeprägt ist das Profilieren und andere belehren übrigens auf Xing, das ich für mich deshalb so gut wie nicht mehr nutze.

 

Neuigkeiten

Menschen sind von Hause aus neugierig. Also gierig nach Neuem.

 

Was schreiben die zu dem Thema, hat jemand auf meinen post geantwortet, wie viele Likes habe ich etc.

 

Foto pixabay

Wobei Likes so etwas wie eine neue Während darstellen. Finde ich völlig überbewertet, zumal die Regeln nach denen FB Likes abbildet, völlig undurchschaubar sind und ständig verändert werden. Mich interessiert es daher überhaupt nicht, wie viele Likes ich habe.

 

Aber ich beobachte, dass es Menschen gibt, die das sehr ernst nehmen. Kaum hast du sie als Freund bestätigt, bekommst du die Aufforderung, ihre Seite zu „liken“. Da bin ich ganz schnell „entfreundet“. Das Ganze wirkt tatsächlich wie ein Sog, wenn man nicht aufpasst.

 

Was hilft? Mal ein ganzer Tag ohne FB. Na, wie fühlt sich der Gedanke für dich an?

Leichtes Unbehagen?

 

Schnelle Belohnung

Heute soll alles immer ganz schnell gehen, am besten sofort verfügbar sein. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Frage handelt. Niemand möchte mehr lange auf etwas warten. Bestellung bei Amazon, zack, nächsten Tag da. Wunscherfüllung sofort. Die Tugend Geduld ist am Aussterben. Wie schade, denn damit geht auch die Vorfreude flöten.

 

FB bedient diese neue Ungeduld meisterlich. Auf FB bekommst du meist sofort eine Reaktion. Fühlt sich an wie eine Belohnung oder Anerkennung.  Du wirst gesehen und wer möchte das nicht? Auch daran kann man hängen wie an der Nadel.

 

Leute erreichen, die man sonst nicht kennen lernen würde

Foto pixabay

Etwas Faszinierendes ist es auch, dass man über FB leicht und unkompliziert mit Menschen in Kontakt kommen kann, mit denen man im realen Leben nie zusammenkäme. Also, z.B. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Oder Menschen, die am anderen Ende der Welt leben. Das kann sehr bereichernd sein.

 

Sinnloses und Schlechtes

 

So mancher denkt sich „Ich kann hier mal ungestraft Dampf ablassen“. Zunehmend beobachte ich, dass sich Aggressivität breit macht. Hat jemand eine andere Meinung, wird er erst belehrt und, wenn das nichts nützt, beschimpft. Das ist ja irgendwie anonym und da vergisst so manche/r die gute Kinderstube. Auch ein Phänomen, das im realen Leben so nicht ausgeprägt ist. Es ist etwas anderes, seine Meinung jemandem ins Gesicht zu sagen oder es mal eben in FB hinzuschreiben.

 

Es wird viel Blabla geschrieben. Wo ich grad bin, was ich grad esse, wie das Wetter ist, dass mein Flieger gleich geht. Small talk eben. Wie im Leben, sehen und gesehen werden. Gute wertvolle Impulse zu geben, interessante Links oder Videos zu schicken, schöne Fotos zu posten- das bereichert die Anderen wirklich.

 

Neuerdings kursieren auf FB solche „Kettenbriefemails“. Kennst du noch die Kettenbriefe von früher? Die Postings sind die Onlinevariante. Da wird versprochen, dass man Krebskranke unterstützen würde (auf die Tränendrüse gedrückt hilft immer), wenn man diesen Post kopiert und an xx Freunde postet oder man soll den post weiterkopieren um zu zeigen, dass man wirklich ein Freund ist oder mit einem einzigen Wort reagieren wo man sich gegenseitig kennengelernt hat.

 

Die neue Variante des Ansichtskartenkettenbriefes aus den Sechzigern des vorigen Jahrhunderts, jetzt mit Büchern. Früher sollte man 10 Leuten eine Ansichtskarte schicken um dann ganz viele zurückzubekommen. Heute sind es Bücher. „Schicke diesen post 6 Menschen, die du magst und schicke ihnen 6 Bücher. Am Ende hast du 36 Bücher“ oder so ähnlich.

 

Auch diese hübschen Gimmicks wie "Wer warst du in deinem früheren Leben" oder "was bedeutet dein Name auf hebräisch" oder "welche Farbe hat deine Seele?" usw.

Harmlos? Datensammler!

 

Es fällt mir schwer, sie nicht zu informieren, das das immer Blödsinn und nur Daten sammeln ist. Letztens konnte ich nicht an mich halten und habe es einer der postenden Frauen sehr freundlich geschrieben. Die Dame war pikiert und hat meinen Beitrag sofort in ihrem Thread gelöscht. Ok, jeder kann ja glauben, was er oder sie will.

 

FB frisst Zeit. Und wie. Irgendwie liest man sich fest, meint „mitreden oder antworten“ zu müssen. Und dann liest man hier noch und da noch und schon ist wieder eine halbe oder ganze Stunde weg.

 

Ohne, dass wirklich irgendetwas Greifbares, Sinnvolle, Bereicherndes passiert ist.

 

 Foto pixabay

Einfach vergurkte Zeit, die einem vielleicht später fehlt. Oder, die andere, positivere Variante ist, dass man unverhofft auf einen spannenden Impuls trifft, der weiterhilft. Aber dich auch vielleicht weg von deinem Ziel führt. Auch das kommt vor. Trotzdem, immer die Zeit im Blick behalten. Am besten einen Wecker stellen.

 

Durchsichtigkeit und Sorglosigkeit

 

Das Medium FB verlockt viele dazu, mehr von sich öffentlich preiszugeben als gut ist. Da werden die süßen Fotos der Kinder stolz präsentiert. Familienfeiern gemeldet, Vorlieben und Abneigungen gezeigt. Aber das Internet ist kein geschützter Raum. Wir alle wissen, dass alle Daten gespeichert werden! Komischerweise ist das den meisten Menschen egal. Der Datenschutz ist längst eine Farce.

 

Bei FB hast du im Kleingedruckten stehen, dass alle deine Posts, Texte und Fotos von FB kommerziell vermarktet werden dürfen. Ist dir das klar? Und nicht nur dein zukünftiger Arbeitgeber weiß schon im Vorhinein über FB genau über dich Bescheid. Auch über peinliche Urlaubsbilder, politisch unkorrekte Sprüche, merkwürdige Vorlieben beim Essen usw. ist er informiert. Andere Firmen und nicht so wohlmeinende Menschen wissen über dich mehr Bescheid als dir lieb sein kann, wenn sie es darauf anlegen.

 

Du wirst für sie wie ein offenes Buch. Sie schicken dir später genau die nervige Werbung, die für dich passt. Denn sie kennen ja jetzt dein Profil. Einfacher geht es für sie nicht. Früher hat es Firmen sehr viel Geld gekostet, an Profile ihre potenziellen Kunden zu kommen. Heute liefern wir sie ihnen selbst per FB gratis. Absurd, oder? Und das ist noch harmlos.

 

Übrigens,  FB hat keinen Radiergummi. Es vergisst nichts, genauso wie das Internet insgesamt nicht. Da kannst du tausendmal was löschen. Geschrieben ist geschrieben und noch Jahre später auffindbar.

 

Foto pixabay

Es erzeugt Druck

 

Bei beruflichen Gruppen kann es passieren, dass es dich regelrecht überschwemmt. Die vielen Erfolgsmeldungen der Anderen. Was alles toll gelaufen ist. Dass sie jetzt einen sechsstelligen Umsatz und schon wieder einen Traumurlaub haben während du immernoch so rumkrepelst.

 

Da werden Aktionen, Challenges, Seminare, Freebees en gros angeboten. Da gibt es die vielen Kongresse, online und offline, die interessant sind, Ebooks zum Runterladen, Videos, die du dir anschauen solltest.

Puhh. Ich muss gestehen, mir geht so langsam die Luft aus.

 

Mir wird das alles zu viel. Ich bin deshalb ab heute in FB Diät.

Ich werde meine beruflichen Postings machen und ansonsten einmal am Tag und nicht mehr 10x, schauen, was es Wichtiges gibt. Meine Gruppen werde ich mir anschauen und dann entscheiden, welchen zwei ich weiter aktiv folgen werde. Die anderen lasse ich los.

 

Und im Urlaub ist dann FB Nulldiät! Mal sehen wie sich das auswirkt. Wie gesagt, ich habe auch schon so ein Suchtgefühl und Entzug kann sehr anstrengend sein. Ich werde berichten.

 

Schreib mir doch mal wie es dir damit geht.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Kirsten (Sonntag, 12 Juni 2016 17:06)

    Liebe Barbara,
    du hast das so treffend beschrieben! Mit geht es ähnlich. Das Internet und FB im Besonderen sind ein Strudel, dem ich mich kaum entziehen kann. Ich finde immer neue Gruppen, die mich interessieren und denen ich beitrete oder FB-Seiten, die ich abonniere, was dann wiederum eine wahre Flut an Benachrichtigungen in meinem E-Mail-Postfach auslöst. Und dann sind bei FB immer so interessante Verlinkungen, denen ich Folge und dann auf Seiten lande, die ich auch unbedingt Durchsurfen muss... Da steht dann auch immer was, von dem ich glaube, dass ich es unbedingt wissen muss. Was ich da an Zeit verbrenne, könnte ich besser mit Malen, Spazierengehen, Lesen, Fotografieren, Musizieren oder anderen "echten" Tätigkeiten verbringen.
    Es gibt nun zunehmend Situationen, in denen mir das bewusst wird und ich schließe FB und lösche in meinem E-Mail-Postfach einfach die Benachrichtigungen über neue Posts, ohne sie bei FB anzuschauen. Das ist ein Anfang für mich, aber es reicht definitiv noch nicht.
    Ich fühle jedenfalls mit dir, liebe Barbara. Bin gespannt, wie du das meistern wirst.
    Schöne Grüße, Kirsten

  • #2

    Sabine Stremlau (Sonntag, 12 Juni 2016 20:14)

    Liebe Barbara,

    ein wundebar geschriebener Artikel, der mir sehr aus dem Herzen spricht.
    TV schau ich zwar, doch recht gezielt. Bei Werbung bin ich sofort weg.
    Im Moment bin ich auch recht selten bei fb.
    Ich reduziere immer mehr und das fühlt sich gut an.
    Bin gespannt, wie es bei dir weiter geht.
    Ich umarme dich aus der Ferne und sende dir liebe Grüße,
    Sabine

  • #3

    Martina (Montag, 13 Juni 2016 10:54)

    Liebe Barbara,
    das hast Du wunderbar beschrieben. Auch ich stelle das fest. Und gleichzeitig erlebe ich FB und das ganze www als zeitfresser. Du inspirierst mich zu einer persönlichen FB-LOSLASS-Challenge. Dane für den Artikel. Libe Grüße Martina

  • #4

    Angelika (Dienstag, 14 Juni 2016 15:14)

    Liebe Barbara,
    Du sprichst mir aus der Seele! Je länger ich in facebook bin, desto weniger bringe ich mich ein. Und ich vermisse es nicht...
    Liebe Grüße, Angelika

  • #5

    Barbara Steldinger (Donnerstag, 16 Juni 2016 11:21)

    Danke für eure Feedbacks. Tatsächlich geht es immer mehr Menschen , denen es so geht. Aber Problem erkannt, Problem gebannt :-) . Es hat zum Glück jeder selbst in der Hand, das Phänomen wahrzunehmen und zu ändern. In diesem Sinne, seid aufmerksam und steuert auch dies ganz bewusst in eurem Leben. Ich tue gerne weiter alles, euch dabei zu unterstützen.
    alles Liebe
    Barbara

  • #6

    Albina Brin (Freitag, 03 Februar 2017 02:55)


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