Gibt es eine Weihnachtsgrüssepflicht?

 

Jedes Jahr um diese Zeit dasselbe. Spätestens jetzt fängt es wieder an. Vielleicht kennst du das auch.

 Ich öffne den Briefkasten, auch den virtuellen Emailpostkasten übrigens,  und bekomme lauter Post, um die ich nicht gebeten habe. Ungebetene Werbung bekomme ich sowieso. Newsletter, die ich schon längst hätte abbestellen sollen, sind normal.

Aber in der Adventszeit bekommt das alles noch mal eine Steigerung. Zu Weihnachten erinnern sich plötzlich Menschen an mich, die sich sonst eher weniger für mich interessieren oder mit denen ich gar keinen persönlichen Kontakt habe.

 

Da schickt mir das Steuerbüro, bei dem ich schon seit ewigen Jahren nicht mehr Mandantin bin, eine Weihnachtskarte und bedankt sich für die gute Zusammenarbeit. Merkwürdig. Ist mir da etwas entgangen?

 

Irgendein unbekanntes Einkaufscenter freut sich, mich als Kundin zu haben und schickt mir Weihnachtsgrüße. Verbunden mit einem, natürlich sensationellen, einmaligem Kaufangebot. Der Optiker, bei dem ich vor Jahren mal eine Brille gekauft hat, denkt plötzlich auch wieder an mich. Mit einem besonderen Weihnachtsangebot natürlich, wow

 

Nichts gegen Weihnachtspost

Ich mag Weihnachtspost. Wirklich. Ich schreibe selbst auch gerne zu Weihnachten an Menschen, die ich besonders mag. Weihnachtspost kann das Herz sehr erfreuen und Kontakte auf eine freundliche Art am Laufen halten.

Aber, sie darf nicht zur Farce werden. Nur Weihnachtsgrüße zu schicken weil man denkt, man muss, ist ganz schlecht.  Und dann noch am besten anonym mit tausenden anderen Adressaten aus dem Verteiler und mit einem nervigen Kaufangebot.

 

Man merkt die Absicht und ist verstimmt*... Im besten Fall wird diese Post einfach stirnrunzelnd in den nächsten Papierkorb entsorgt bzw. die Taste Entf benutzt. Im ungünstigsten Fall ist die EmpfängerIn richtig verärgert und das ist dann definitiv nach hinten losgegangen.

Ganz sicher ist man damit eine potentielle InteressentIn los.


 

 


Viel besser ist es doch, sich ehrlich zu fragen, ob ich denn wirklich gerne Weihnachtspost versenden möchte. Ob ich Spaß daran habe, ob ich wirklich den Empfänger persönlich meine und ob ich denke, dass er wird sich darüber freuen wird.

Grade als EinzelunternehmerIn haben wir hier eine gute Möglichkeit, unseren ehrlichen Dank für eine tolle Zusammenarbeit auszudrücken. Das gilt für private übrigens genauso wie für geschäftliche Weihnachtspost.  Seinen Dank kann man nicht oft genug ausdrücken.

 

Gegen vorgedruckte Karten ist nichts einzuwenden, wenn sie zum eigenen Business passen. Es verbieten sich von selbst, die Postkarten, die wir ungefragt zugeschickt bekamen, z.B. vom Tierschutzverein, mundgemalt usw. zu verwenden. Zumindest handschriftlich unterschrieben sollte sie schon sein, die geschäftliche Weihnachtspost. Sonst entsteht schnell der Eindruck von Massenpost.

Richtig exklusiv ist natürlich nur persönliche, handgeschriebene Weihnachtspost, die im Zeitalter der E-cards das Haptische bedient, schönes Papier zum Anfassen hat, ein ansprechendes Motiv zeigt und persönlich gemeinten Text trägt. Damit fällt man in jedem Fall positiv auf.

Ich bin mir ganz sicher, dass diese Karten, die dann vielleicht zahlenmäßig viel weniger versendet werden, wirklich das tun, für das sie eigentlich gedacht sind. Freude zu bringen, das Gefühl von Dankbarkeit zu vermitteln und dass man den Kontakt ehrlich wertschätzt.

 


Was du unbedingt vermeiden solltest

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  • Einfallslose oder alberne Standardkarten versenden,
  • Unterschrift lieblos hinkrakeln,
  • ohne persönlichen Gruß versenden,
  •  Massensendungen losschicken,
  • Weihnachtspost versenden, weil man das tun muß
  •  schnell noch auf Weihnachtsgrüße antworten, nur weil man welche erhalten hat
  • E-Cards versenden, weil diese oft im Spam landen
  • E-Cards mit Animationen und Musik senden
  • die Weihnachtsgrüße mit einem Kaufangebot verbinden

Das kommt nicht gut, weil man sich als Empfänger dann nicht gegrüßt, sondern genervt fühlt.

 


Das solltest du unbedingt tun

  • sorgfältig auswählen, wen du mit Post beglücken möchtest
  • persönliche Anrede, persönliche Grüße, nur dann fühlt sich der Empfänger gewertschätzt
  • wenn es nicht sehr viele Kunden sind, unbedingt handschriftlich
  • wirklich schöne Postkarten verschicken, die nicht gleich in Ablage P (Papierkorb) landen
  • Und dann rechtzeitig losschicken, damit sich alle noch ein wenig vor Weihnachten darüber freuen können. Hast du jemanden vergessen, tut es auch ein Neujahrsgruß.

*„Man merkt die Absicht, und ist verstimmt“ ist die leicht abgewandelte Form einer Äußerung Tassos in Goethes Drama Torquato Tasso, mit der er sein Missfallen an dem Verhalten der Leonore Sanvitale ausdrückt:

… und wenn sie auch
Die Absicht hat, den Freunden wohl zu tun,
So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.

Man verwendet das Zitat, wenn man schlecht verborgene persönliche Interessen deutlich erkennt.

Quelle Wikipedia https://de.wikipedia.org


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