Der Trick, wie Sie eher fertig sind und mehr dabei schaffen

 

Das geht nicht, sagen Sie?

Sie machen doch schon so viel wie es nur irgend geht in der Zeit, die nun mal nicht mehr wird? Sie achten auf Planung und Zeitfresser, schließlich haben Sie sich mit Zeitmanagement beschäftigt.

 

Das kann gut sein und ist trotzdem nur Ihre subjektive Wahrnehmung. Jemand anderes würde vielleicht meinen, Sie sind einfach zu langsam oder könnten bei mehr Konzentration locker mehr schaffen. Alles hängt von der eigenen Sicht auf die Dinge ab. Manches lähmt uns schon, bevor wir es überhaupt angefangen haben. Zu groß scheint manchmal der Berg zu sein, den man vor sich hat. Oder zu unattraktiv, zu anstrengend.

 

Für mich ist das zum Beispiel die jährliche Steuererklärung. Völlig unsexy. Da ich inzwischen eine perfekte Buchhaltung habe, ist es gar nicht mehr viel, was ich der Steuerberaterin noch bringen muss. Versicherungsunterlagen, Krankenkassenbescheinigung, Betriebskostenaufstellung, lauter Belege eben. Aber das nervt mich unendlich weil meine Widerstände sofort hochfahren und dafür sorgen, dass ich es immer wieder ewig vor mir herschiebe obwohl es mich meistens höchstens eine Stunde kostet, alles zusammenzustellen.

 

Ich finde das ganze Steuersystem krank und es fühlt sich für mich nach verschwendeter Lebenszeit an, akribisch alle Belege zusammenzusuchen, nur um nicht zuviel Steuern zahlen zu müssen. Dabei weiß ich ganz genau, dass auch das nur meine ganz persönliche, subjektive Wahrnehmung ist. Andere freuen sich vielleicht darauf, Geld vom Finanzamt zurück zu bekommen. Denen fällt es sicherlich viel leichter, sich dran zusetzen. Das fühlt sich für sie nach Belohnung an. Dieses Gefühl fehlt bei mir. Ich muss meistens nachzahlen und das weiß ich auch schon vorher. Kein schönes Belohnungsgefühl, auf das ich mich freuen könnte.

 

 

Manchmal hilft eine mentale List dabei, sich mehr zu motivieren. Ich las dazu die folgende Geschichte. Folgen Sie mir einfach.

 

 

Es ist in Amerika des letzten Jahrhunderts, auf einer Baumwollplantage. Die Arbeiter ernten die Baumwolle per Hand. Die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel. Die Arbeit ist schwer, die Körperhaltung dabei anstrengend. Jeden Morgen haben die Arbeiter 500 Meter Baumwollreihen vor sich. Soweit das Auge reicht nur Baumwollsträucher, endlos, sonst nichts. Am Ende des Tages nur noch Erschöpfung. Viel Tag ist nicht mehr übrig.

 

Der Farmer hatte eine Idee. Er steckte einen Stab mit einer gut sichtbaren roten Fahne 50 Meter weiter hinter dem Ende der täglichen 500 Meter in das Feld. Dazu gab es die Ansage, dass jeder seiner Arbeiter, der die rote Fahne erreicht hat, Feierabend machen darf, egal wie früh es noch am Tag ist.

 

Was war das Ergebnis? Erstaunlich viele Arbeiter landeten vor dem eigentlichen Feierabend an der roten Fahne und gingen guter Dinge nach Hause.

 

Wie kann das sein? Es hatte sich nichts an den Umständen geändert, im Gegenteil. Sie hatten sogar noch 50 Meter mehr abgearbeitet und waren trotzdem früher fertig.

 

Das Geheimnis war die deutlich wahrzunehmende rote Fahne als Ziel. Das Auge hatte nun ein erstrebenswertes Ziel fest im Blick. Das Tagespensum erschien nicht mehr verschwommen, unerreichbar am Horizont, nur Baumwolle überall, sondern das Auge hat sich auf ein Ziel, rote Fahne – früher Feierabend, ausgerichtet. Ein erstrebenswertes noch dazu. Mehr Freizeit und Erholung war für die Arbeiter sonst nicht drin und bedeutete eine echte Belohnung.

 

Der Farmer hatte gleich dreifachen Gewinn. Mehr abgeerntete Fläche, motivierte Arbeiter und am nächsten Tag erholtere Arbeiter, die sich wiederum ordentlich ins Zeug legten, um die rote Fahne recht schnell zu erreichen und Feierabend zu haben.

 

 

 

Lässt sich das auf Ihren Arbeitsalltag übertragen? Zweifellos. Denken Sie doch nur mal an die letzten Tage vor Ihrem Urlaub. Ist es nicht erstaunlich, was Sie da alles wegschaffen? Gleicher Effekt – das Ziel ist diesmal der Urlaub als Belohnung, in den Sie auch nur fahren können, wenn Sie vorher noch Ihre Arbeit fertig bekommen.

 

Also ist es eine gute Idee, dafür zu sorgen, dass wir uns immer wieder eine „rote Fahne“ ins Feld stellen, ein Ziel, das uns genügend motiviert. Das müssen keine Jahrhundertziele sein, auch ganz kleine für jeden Tag bringen es schon.

 

Probieren Sie es einfach aus! Ich freue mich auf Ihre Erkenntnisse.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Wera Nägler (Sonntag, 01 Mai 2016 14:45)

    Liebe Barbara, was für ein toller Artikel. Und diese Geschichte ist wirklich schön. Und deine Schlüsse daraus so wahr. Und wer sich dann fragt, was denn die eigene "rote Fahne" sei, kann ja zu dir zum Gruppenfernmatrixen oder deinen anderen Kursen kommen. Damit der innere Blick weiß, worauf er sich richten soll. LG, Wera