Wo ist bei Ihnen die Grenze?

 

Erfolgreiche Dienstleister haben in den meisten Fällen ein ausgeprägtes Servicedenken. 


So schließt man dem  Kunden selbstverständlich nicht 3 Minuten vor Schluss die Tür einfach vor der Nase zu. Zumindestens nicht, wenn es der eigene Laden ist. Der Klempner, der auch noch ein paar Tipps gibt wie die Waschmaschine, die er angeschlossen hat, länger hält ist vorbildlich. Die Autowerkstatt, die einem auch mal schnell ohne Termin aus der Patsche hilft, hat dann eine dankbare Kundin mehr. So weit, so gut.

 

Was ist aber mit den sogenannten helfenden, beratenden oder heilenden Berufen? Damit meine ich Ärzte, Beraterinnen, Heilpraktikerinnen, Therapeuten, Coaches. Wo ist es noch Dienstleistung und Service am Kunden und wo beginnt die Selbstausbeutung?

 

Was macht man in den genannten Berufen, wenn jemand noch nach Feierabend an die Türe klopft. Was macht man, wenn jemand beim Coach spätabends noch anruft und nur eine Frage hat, die dann aber schnell mal eine halbe Stunde dauert? Stellt man die in Rechnung?

 

Sollte man sich als Coach oder Therapeut auch am Wochenende anrufen lassen (ohne vorherige Absprache) ? Vorm Frühstück oder zur besten Kaffeezeit? Verstehen Sie mich bitte richtig. Ich bin immer dafür zu helfen, schließlich mache ich diesen Beruf mit Leidenschaft. Es geht mir hier in diesem Artikel einfach um das Prinzip und die praktische Handhabung.

 

Wenn manche Klienten, Kunden, Patienten sich sehr gut aufgehoben fühlen, sinkt eben mal die  Hemmschwelle, einfach schnell anzurufen und sich weiter keine Gedanken darüber zu machen, ob ihr Therapeut gerade Feierabend oder Wochenende, also Privatleben, hat.  

 

Sie wollen Hilfe oder einfach mitteilen, was sie beunruhigt. In den meisten Fällen hat man ihnen ja auch gesagt, sie mögen sich melden, wenn etwas ist. Nur, dass das zu den Geschäftszeiten gemeint war, kam vielleicht nicht an. 

 

Ich finde, dass es nicht einfach ist, damit umzugehen. Hier ist eine große innere Klarheit notwendig, die auch nach aussen zu kommunizieren ist. 

 

Das hat etwas mit  Selbstwert und mit dem "für sich sorgen" zu tun. Ziehe ich keine klaren Grenzen, dann sage ich ja zu den Anderen und nein zu mir. Jeder, der in den genannten Berufen arbeitet, hat eine hohe Verantwortung für die eigene Gesundheit und Lebensfreude. Erholung und ungestörte Auszeiten sind extrem wichtig, um die volle Arbeitskraft zu erhalten und um unter der Woche wieder für die Klienten bestmöglich da zu sein.

 

Also muss man sich den folgenden Fragen stellen: 

 

  • In wieweit bin ich bereit, auch in meiner Freizeit ( abends am Wochenende) ans Telefon zu gehen und spontan zu helfen?
  • Ab wann ist es kostenpflichtig?
  • Generell oder nach 10 Minuten? Wie bringe ich das rüber? 
  • Gibt es am Wochenende dann einen Aufschlag?  
  • Was gehört noch zur "Nachsorge" nach einer Behandlung, einem Coaching, und ab wann ist es schon eine neue Sitzung? 
  • Bin ich in der Lage in einem solchen Fall, liebevoll aber bestimmt, auf meine Geschäftszeiten hinzuweisen und einen Termin in der Woche anzubieten? 
  • Meint mein Ego, dass ich zu jeder Zeit ansprechbar sein muss weil ich mich dann wichtig und gebraucht fühle?
  •  Wie sorge ich für mich? Habe ich meine Privattelefonnummer rausgegeben und sollte das ändern?     
  • Was könnte ich organisatorisch verändern?

 

Mich würde wirklich interessieren, wie die Therapeuten, Coaches, Heilpraktikerinnen unter meinen Leserinnen dies sehen und handhaben.

Also bitte gerne kommentieren!

 

 

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